No.2
Seit dem ersten Umbau ist nun knapp ein Jahr vergangen. Ein Jahr in dem man viele Zeitschriften durchwühlt, mit anderen Bikern gesprochen und sich
selbst viele neue Verrücktheiten ausgedacht hat. Na ja, eigentlich sollte ja gar nicht so viel gemacht werden..... na ja, eigentlich!
Da die Lackierung mehr als totale Scheiße war, haben Torsten und ich uns entschlossen die Böcke einfach nur neu zu lackieren und evtl. das eine oder
andere Teilchen zu tauschen. Also los. Die Demontage der beiden Schönheiten erfolgte in einer rekordverdächtigen Zeit (haben es ja oft genug geübt).
Doch schon während des Zerlegens der Karren kamen uns immer mehr Spinnereien in den Kopf und irgendwann stand fest, der erste Umbau war zwar
schweißtreibend, doch dieser wird... noch... gut, sagen wir einfach ein bisschen umfangreicher.
Als erstes kam das Problem mit dem Seitenständer auf, da er nach der Hecktieferlegung so dermaßen zu lang war, das die Karre nicht mehr stehen
bleiben wollte. Mmmmmhhh, na klar, wir bauen einen neuen Seitenständer und können den dann einbauen. Ja, ok, wenn man es sich soooo einfach machen
möchte ...bitte! Neee, wir sind doch schließlich inzwischen fast schon Custom- Profis und mit einer billigen Lösung geben wir uns nicht zu frieden. Da die
originale Aufnahme des Seitenständers eh doof aussieht, könnten wir ja auch gleich eine ganz neue anfertigen. Und wenn wir schon dabei sind, können wir
den Schalter des Ständers ja auch gleich entfernen und einen neuen Microschalter an versteckter Stelle anbringen. "Spinnst du?" fragte Torsten mich
zuerst, doch dann begann er sich ganz schnell in die ganze Sache hinein zu fuchsen und war schnell Feuer & Flamme für das Vorhaben. Am gleichen Abend
saßen wir dann zusammen vor dem Rechner und erstellten die 3-D Modelle, bei denen es sich um nach außen schlicht wirkende, doch technisch sehr
aufwändige Teile handelte.
Die Konstruktion stand und Torsten und ich standen in der heiligen Schrauberhalle vor den nackten Rahmen..."bist du dir sicher?" fragte er. "Halts Maul
und mach!" sagte ich. Und noch bevor ich den Satz ganz ausgesprochen hatte, kreischte die Flex los, Funken sprühten und ein wenig später lagen die
Halterungen der originalen Seitenständer neben den Rahmen auf dem Boden. Jetzt gab es kein zurück mehr.
So war die erste Entscheidungshürde genommen und da wir eh keinen großen Umbau geplant hatten, kam es uns auch nicht so wild vor, kurz mal eben
einen neuen Seitenständer samt Aufnahmen zu konstruieren, zu fertigen usw.. Da wir planten mit dem Starrahmenkit aus eigener Produktion zu fahren
(only Show), drängte Torsten darauf, die Schwinge und den Rahmen zumindest ein wenig zu verstärken. Was wir dann durch Buchsen, die in die
Aufnahmebohrungen fürs Federbein in die Schwinge und in den Rahmen geschweißt haben. Kleinigkeit so was!.... Und das ist es ja auch schon.....oder?
Nicht ganz, kurz noch zum Pulvern die Rahmen, die Verkleidungsteile noch schnell lacken und dann einfach alles wieder zusammenfummeln. Halt, wo wir
gerade alles in Einzelteilen liegen haben, könnten wir ja noch auf Riementrieb umrüsten. "Neee, lass mal" sagte Torsten etwas genervt von meiner
vielleicht manchmal etwas .... stürmischen Begeisterung, die ich für etwas entwickeln kann. Ja, das muss es sein. Einige Tage kam ich von der Montage
wieder und Torsten sagte.."Wir müssen mal reden!". Na ja, wenns weiter nix is. Er erzählte mir nun, dass wir unbedingt auf Riementrieb (Belt Drive)
umbauen müssen. Grund dafür, ein Artikel in der Bikers News (März 3/05), die er gerade erstanden hatte. In der BN war ein schöner Bericht zum
Thema, das jetzt auch Torsten gepackt hatte. Also denn, Bier auf, einen großen Schluck genommen und dann Feuer frei für die Planung. Ok, die
benötigten Komponenten zu beschaffen, ist für einen Sondermaschinenbauer nicht wirklich schwer, da es die Pully's in allen Größen reichlich gibt.
Problem war für uns, dass die Schwinge der Shadow ein wenig ungünstig in Sachen Belt Drive ausgelegt ist. Fakt ist, beim Ein- oder Ausbau der Kette
muss diese getrennt werden und das ist irgendwie ein bisschen blöd bei so einem Zahnriemen. Also ganz klar, die Schwinge wird Aufgetrennt und mit
einem Verschlusssystem aus eigener Fertigung wieder geschlossen. Ist doch ganz einfach... na ja, ganz einfach, gäbe es den TÜV nicht. Der hat bei
Vorgesprächen zum Thema Schwinge öffnen, zwar mit Interesse und teilweise wohl auch ein wenig Begeisterung für unser Unternehmen zugehört, wollte
aber ohne Gutachten der Stabilität nichts eintragen.
Es brachte also mehr Probleme mit sich, als wir dachten. Ein Hydro- Pulser- Test ist Voraussetzung, möchte man Änderungen an Rahmen, oder Schwinge
eingetragen bekommen. Bei diesem Test würde, wie in unserem Fall, die Schwinge aufgespannt und mit dem Pulserprüfstand dann mehrere
hunderttausend Kilometer Fahrt simuliert. So lange, bis das Ding irgendwo bricht. Und da waren sie wieder, unsere drei Probleme. Zum einen eine
exorbitant großer Preis für den Pulsertest, zum zweiten, fehlende Kontakte, um so etwas überhaupt irgendwie anleiern zu können und zum dritten, die
Zeit die immer schneller zu vergehen scheint.
Nach mehreren Gesprächen mit dem TÜV ist das Thema Belt Drive also dann gestorben. Hmmm, ganz gestorben? Nee natürlich nicht. Es wurde lediglich
für den Winter 2005 / 2006 aufgehoben.
Also gut, dann hätten wir es ja vorerst, oder? Noch nicht ganz. Da wären in Torstens und in meinem Fall ja immer noch die Lackfragen zu klären. Von
meinem Wunsch den Bock edel in matt- schwarz zu lackieren konnte Andre´ unser Lackierer mich abbringen. "Das ist voll doof" sagte er. Na gut dann
wähl ich halt schnell ne neue Farbe aus. Sagte ich schnell? Also gut, eventuell habe ich ein paar Tage gebraucht. Letztendlich kam dann folgende
Mischung heraus. Der Rahmen wird schwarz / glänzend gepulvert. Die Verkleidungsteile und der neue Tank in Flip- Flop grün lackiert. Ach ja, der Tank.
Hätte ihn fast vergessen. Da mein Originaltank weniger Volumen vorzuweisen hatte, als eine Mädchenblase, beschloss ich ihn gegen einen 14l Tank im Fat
Bob Design zu tauschen. Problem war, dass er im Internet nur einen Tankstutzen und den auf der rechten Seite hatte. Als ich jedoch freudestrahlend
mein Paket öffnete, musste ich feststellen, das das gute Stück zwei Tankstutzen hatte. Also musste der linke Stutzen dran glauben, hätte sonst voll
Scheiße ausgesehen.
Aber eigentlich waren wir ja noch beim Thema Lackierung. Bei Torsten war erst alles klar, denn er sagte Anfangs ganz sicher "Ich behalte mein blau!"
Ok, ein paar Bierchen und Tage später war es dann vom Tisch das Thema. "Die Karre wird gelb und kriegt grüne Flammen drauf!"...."Oder sie Wird
erstmal nur gelb und kriegt dann nächsten Winter Flammen drauf!"....usw., usw..
Eines Abends sollte dann nach wochenlanger Rumnerverei die Münze entscheiden. Nach einem kompliziertem Auswahlverfahren und reichlich Pilsbier
lautete das Ergebnis: grün!  Aha, und welches? Wieder gings los und ich mochte es nicht hören. Aber am nächsten Tag wollten wir erstmal zur
Motorradmesse in Hannover fahren und uns dort mal ein wenig umsehen. Tja und da stand sie dann... Das Mopped nach dem Torsten sooo lange gesucht
hatte und das in seiner Traumfarbe lackiert war....ORANGE. Na ja, ist zumindest fast wie grün... für nen Blinden, oder so.... Aber ein gutes hatte es ja,
die Farbe für Torstens VT war gefunden. Nach der Fotosession auf der Messe fanden wir das Mopped sogar noch im Internet. Es wurde auch gleich
unserem Lacker gezeigt, der die nächsten Wochen gut zu tun hatte, da es sich nicht nur um ein normales orange handelte, sondern um einen gold- kupfer-
Ton, der mit irgendetwas gemischt von knall gelb bis tief rot leuchtete. Und das alles mit diesem gold- metallic- Stich. Ist doch ganz einfach
nachzumischen oder??? Der Affentanz ging also weiter, na ja, nur so ca. 5 Wochen. Letztendlich wurde dann aber die Farbe gemischt und alles fein
säuberlich lackiert.
Und während die ersten Teile lackiert wurden, mussten ja noch die Rahmen vorbereitet werden fürs schweißen und pulvern. Da mit der neuen
Gabelbrücke die Lenkanschläge nicht so richtig gepasst haben, schlug ich vor diese mal fix, mal eben, schnell neu zu machen. Wieder einmal schaute
Torsten mich ein wenig fragend an..."Wieso?" "Weil's nicht richtig passt und ich mir nicht noch mal ne Beule in den Tank kloppen will!" erwiderte ich. Also,
Flex raus, die alten Lenkanschläge beseitigt und die neuen rangeschweißt. Geht doch!
Zwischendurch konnte ich noch so Kleinigkeiten wie, Speichen polieren, den neuen Frontfender zuschneiden, die Tauchrohre zerlegen usw. erledigen. Sind
zwar so gesehen Peanuts, haben aber trotzdem ganz schön viel Zeit in Anspruch genommen. Somit hatten wir dann den Punkt erreicht, wo alles, was außer
Haus erledigt werden musste, vorbereitet war. Die "Lackteile" waren fertig zum lacken, die "Pulverteile" fertig zum pulvern und die "Chromteile" fertig
zum verchromen. Wurde ja auch Zeit, denn es ist schon Ende März und die ersten Biker sind schon seit zwei, drei Wochen unterwegs.
Also müssen wir jetzt ein bisschen ranhauen. Der Motor sollte ja in Eigenregie lackiert werden und dazu musste er erst einmal zerlegt werden. Also
wurden die Zylinderköpfe, das Antriebsritzel, die Wasserpumpe, der Anlasser usw. demontiert. bis nur noch das Kurbelgehäuse nackt vor uns stand.
Anschließend wurde alles mit Waschbenzin gereinigt und es konnte losgehen.
Die Motorteile wurden in einem hellen, freundlichen schwarz lackiert. Matt schwarz, um genau zu sein. Anschließend habe ich noch die Ventile neu
eingeschliffen und die Schaftdichtungen getauscht.
Ach ja, der Rahmen und die Schwinge, die ja "eigentlich" schon beim pulvern waren, sind dann doch noch massiven "Bereinigungsarbeiten" zum Opfer
gefallen. Was so viel heißt wie: Buchsen drehen, die Buchsen einschweißen, alles überschleifen, die restlichen Schweißnähte auch gleich cleanen usw. ..usw!
Und weil´s schööön macht, haben wir die Klemmflächen der Hinterradachse mit polierten VA- Plättchen versehen, damit keine Kratzer auf Lack, bzw.
Pulverschicht entstehen können.
Es ist jetzt Mitte April und die Sehnsucht nach dem Lärm meines V-Twins frisst an meiner kleinen, zarten Seele. Die Motoren sind lackiert, die
Pulverteile wirklich beim pulvern und alles, was lackiert werden soll, ist beim Lacker. Es ist also Zeit für so mistige Arbeiten wie Kühlrippen polieren
angesagt. Einen groben Versuch hatte ich vorsichtshalber schon vor dem lackieren unternommen, bei dem ich feststellen musste, dass dieser Job
wirklich nur etwas für Vollbescheuerte ist. Also ran an die Arbeit! Torsten wollte seine Kühlrippen erst nicht polieren, da an zwei Stellen schon kleine
Teile der Rippen herausgebrochen waren. Nach ein wenig Überzeugungsarbeit entschied er sich doch, die Kühlrippen polieren zu lassen.... von mir....
SCHEIßE! Mit viel Gefühl, einem Schwingschleifer und ca. 1 mio. Bögen Schmirgelleinen von Körnung 240 & Körnung 400, ging es dann los. Es nervt, gibt
ne riesen Sauerei und nach einigen Stunden hat man kein Gefühl mehr in den Armen, doch betrachtet man das Resultat, ist alle Mühe vergessen.
In der Maimitte angekommen, musste ich feststellen, dass meine Teile zwar eher vom Lackieren zurückgekommen sind, als Torsten's, doch ich ohne
Rahmen (der immer noch irgendwo beim beschichten ist), so gut wie nichts montieren kann. Ok, den Motor konnten wir zusammensetzen, die Federbeine
vorn auch, doch das war's dann auch schon. Torsten hingegen konnte ganz entspannt anfangen den Motor in den Rahmen zu integrieren & dann Stück für
Stück Elektrik, Ansaugtrakt, Vergaser, Gabelbrücke usw. zu montieren. Was ich dann konnte, habe ich assistiert, doch ist es ein totales Scheißgefühl,
wenn man selbst nicht ein Stück voran kommt.
Der Bock von Torsten war dann zu Ende Mai so gut wie fertig, es fehlten nur noch Verkleidungsteile & der Tank. Die Elektrik bei Torsten war komplett
fertig umgebaut & die neuen Gabelcover angebaut. Für die anstehende Hauptuntersuchung wurden das originale Federbein, die originalen Spiegel & der
originale Scheinwerfer montiert. Mein Rahmen war immer noch irgendwo unterwegs & bis auf meine Lackteile hatte ich noch nichts.
Es ist der 31. Mai, Torstens Maschine geht morgen zum TÜV & ich bekomme endlich meinen Rahmen.
Torstens Maschine haben wir buchstäblich im letzten Moment TÜV- fertig gehabt. Am Abend bauten wir meinen alten Tank auf & versorgten die
Maschine noch mit reichlich Öl & Kühlwasser. Dann war es soweit, der Testlauf im Freien sollte beginnen. Nach ein wenig Rödeln sprang der Bock sofort
an & ließ den kleinen Vorhof zu unserer Bastelhalle erzittern. Anschließend wurde das Eisen wieder in die Halle zurück geschoben & als letztes wurden
noch die Zierdornen entfernt.
Endlich, Rahmen & Schwinge sind gekommen!!! Direkt nach dem Auspacken des Rahmens haben Torsten & ich gleich den Motor eingebaut, da das eine der
wenigen Arbeiten ist, die man wirklich nur zu zweit durchführen kann. Der Rest ging dann ganz schnell. Den Vergaser draufsetzen, den Ansaugtrakt
einbauen & den Kabelbaum einziehen. Anschließend das Kühlsystem einbinden & fertig. Anschließend habe ich dann das Federbein & die Schwinge
montiert. Da alle Teile schon einmal von uns nachgearbeitet worden waren & einige Teile sogar zum zweiten mal neu gefertigt wurden, gab es bei der
Montage keinerlei Probleme.
Ach ja, während der Montage kam ich endlich auf einen schönen Namen für meinen Umbau. "Avus Galaxy". Ok, ich muss gestehen, dass ich da nicht selbst
drauf gekommen bin. Der Schriftzug auf der Lackdose klang einfach schön & damit stand für mich der Projektname fest. (ich finde es gibt durchaus
unkreativeres)
Jetzt lief alles, wie am Schnürchen & im nu war die Maschine aufgebaut. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten summte der Bock dann auch wie ein
Bienchen.
Doch dann kam alles anders als erwartet. Ein Crash mit Totalschaden.
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